Das Land der kleinen und der großen Wunder

Reiseprogramm

Überblick

1. - 4. Tag: Anreise nach Bari. Unterkunft in Monopoli (3 Nächte). Monopoli, Polignano a Mare, Alberobello, Grotta di Castellana, Bari, Trani

4. - 6. Tag: Unterkunftswechsel nach Matera (2 Nächte). Castel del Monte, Pulo di Altamura, Altamura, Matera

6. - 10. Tag: Unterkunftswechsel Landgut bei Mesagne (4 Nächte). Gravina di Laterza, Ostuni, Locorotondo, Lecce, Otranto, Parco Nazionale Torre Guaceto

Reiseprogramm in Stichworten

1. Tag: Anreise, Flug nach Bari. Normalerweise bei Ankunft am Morgen oder Mittag können wir bereits einen ersten Programmpunkt, den Besuch von Polignano a Mare am Anreisetag machen und gewinnen so Zeit das Programm an den anderen Tagen etwas zu entzerren, bzw. Luft für zusätzliche Programmpunkte zu bekommen. Am Nachmittag Orientierungsrundgang in Monopoli, unserer ersten Exkursions-Station. (3 Übernachtungen direkt beim historischen Zentrum von Monopoli)

2. Tag: Von unserer Unterkunft in Monopoli aus geht es heute zur beeindruckenden Grotta di Castellana, einem gewaltigen Höhlensystem, das in Teilen gut ausgebaut begangen werden kann. Der Gang durch die Höhle dauert ca. 2 Stunden, die Temperatur beträgt ca. 16°C, bitte Pullover/Jacke nicht vergessen. Danach weiter ins berühmte Land der Trulli zur Weltkulturerbestätte Alberobello.

3. Tag: Dieser Tag gehört der Hauptstadt Apuliens. Die Metropolregion Bari hat ungefähr 1,2 Mio Einwohner. Damit ist Bari nach Neapel größte Stadt Süditaliens. Die schöne, verwinkelte mittelalterliche Altstadt allein wäre schon ein Besuch wert. Höhepunkt ist aber sicher die Basilika des St. Nikolaus, also jenes Heiligen, der unseren Kindern am 6. Dezember die Geschenke bringt. Die italienischen Kinder wissen von diesem Brauch in nördlichen Gefilden aber leider nichts. Der Tag des Heiligen, nämlich die Ankunft seiner Reliquien am 9. Mai 1087 in Bari wird dagegen mit einem großen dreitägigen Fest begangen. 45 km weiter nordwestlich von Bari entfernt erreichen wir das Städtchen Trani mit seiner berühmten mittelalterlichen Normannen-Kathedrale, bestehend aus Ober- und Unterkirche die direkt am Meer eine besondere Position unter den Kathedralen Apuliens einnimmt.

4. Tag: Quartierwechsel nach Matera. Auf der Fahrt in die Alta Murgia nach Matera schlagen wir zunächst einen Bogen nach Westen um das Castel del Monte zu besuchen. Von dort geht es mit einem Stopp in Altamura und bei der Riesendoline Pulo di Altamura über die Karsthochflüche der Alta Murgia bis Matera, das wir gegen Abend erreichen (2 Übernachtungen in Matera inmitten der historischen Stadt)

5. Tag: Dieser fahrtfreie Tag ist ganz dem Weltkulturerbe Matera mit den Sassi, Höhlenkirchen und weiteren Sehenswürdigkeiten und Besichtigungen gewidmet. Im Jahr 2019 ist Matera Europäische Kulturhauptstadt.

6. Tag: Quartierwechsel. Von Matera aus Fahrt Richtung Süden bis zum gewaltigen Canyon Gravina di Laterza. Kleine Wanderung bei wunderschönen Aussichten und Einblicken entlang der Schlucht. Am Nachmittag erreichen wir unser Landgut bei Mesagne im Hinterland von Brindisi (4 Übernachtungen).

7. Tag: Heute geht es zu den pittoresken weißen Städten Apuliens Ostuni und Locorotondo. Die beiden kleinen Städte liegen weithin sichtbar auf Hügeln über der Küstenebene und erinnern in ihrem strahlenden weiß und Ihrer mittelalterlichen Anlage eher an Griechenland als an Italien.

8. Tag: Von unserer Unterkunft geht es heute nach Süden in die Hauptstadt des Salento Lecce. Die Stadt wurde während der Zeit Karl V als Verwaltungszentrum im Stil der damaligen Barockzeit groß ausgebaut und gilt als eines der italienischen Barockjuwelen. Nicht versäumen wollen wir auch den östlichsten Punkt Italiens Otranto. Von hier aus sind es nur noch 80 km hinüber über die Adria bis Albanien. Besonders Sehenswert ist das vollständig erhaltene, 1600 m2 große mittelalterliche Bodenmosaik im kleinen Dom.

9. Tag: Besuch im Parco Naturale Torre Guaceto mit kleiner Küstenwanderung. Besuch auf einem Olivenlandgut.

10. Tag: Transfer zum Flughafen in Bari und Heimreise

(Die Reihenfolge des Programms kann je nach Wetterbedingungen, Öffnungszeiten, etc. auch in anderer Reihenfolge ablaufen. Änderungen vorbehalten).

Die Landschaftsräume Apuliens - Programm

Apulien ist einmalig in Italien. Das gilt nicht nur für eine ganze Reihe von Kulturzeugnissen und Monumenten, wie z.B. dem Castel del Monte Friedrich II von Hohenstaufen oder den Trullis, denen wir einmalig in der Welt nur in diesem Teil Italiens überhaupt begegnen. Dazu finden wir Höhlensiedlungen neben weißen Barockstädten, imposante mittelalterliche Kathedralen, Städte und Ortschaften, die mit ihren weißen Würfelhäusern und Flachdächern vor azurblauem Meer, mehr an Griechenland oder Orte in Nordafrika erinnern, als an Italien selbst. All dies macht dieses Land zu einem ganz eigenen Kulturraum. Der Geograph Alfred Philippson bezeichnete Apulien zu Beginn des letzten Jahrhunderts als die unitalienischste aller Regionen Italiens. Dies gilt aber nicht nur für den Kulturraum sondern ganz vorne weg für das besondere Landschaftsbild. Dies hat einen gewichtigen Grund: Apulien ist nicht ein Teil der europäisch-asiatischen Kontinentalplatte, so wie es der Rest Italiens ist. Apulien gehört im Gegensatz dazu der ungefalteten Afrikanischen Kontinentalplatte an. Geologisch-tektonisch gesehen sind wir deshalb nicht in Europa sondern in Afrika unterwegs.

Vor mehr als 100 Mio Jahren, während der Kreidezeit und früher, befand sich ein großer Ozean (Tethys-Ozean) zwischen der Afrikanischen Kontinentalplatte im Süden unseres Erdballs und der Eurasischen Platte im Norden. Am Grunde des Tethys-Ozeans lagerten sich die mächtigen Kalksteinpakete ab, die Apulien heute aufbauen. Seit der Kreidezeit wandert die Afrikanische Platte nun kontinuierlich nach Norden und engt den Tethys-Ozean immer mehr und mehr ein. Die kümmerlichen Reste der Tethys sind das heutige Mittelmeer, das Schwarze Meer und das Kaspische Meer. In ca. 50 Mio Jahren werden aber auch diese Meere durch die anhaltende Norddrift der Afrikanischen Platte (Geschwindigkeit pro Jahr ist ca. 1 cm) verschwunden sein. Durch die Kollision Afrikas mit Eurasien sind so u.a. die Alpen oder der Apennin als Faltengebirge entstanden. Wichtig dabei für das heutige Landschaftsbild Apuliens ist, dass bei der Kollision aber nicht die Gesteine der afrikanischen Landmasse gefaltet werden, sondern jene der Eurasischen, denn diese bekommt den Energieimpuls beim Zusammenstoß übertragen. Das bedeutet, dass die einst im Tethys-Ozean abgelagerten Kalkpakete, die bei der Einengung der Tethys gehoben und inzwischen Teil der Afrikanischen Landmasse geworden sind, ungefaltet bleiben, während dieselben Kalkpakete auf der Eurasischen Platte durch die Wucht des Zusammenstoßes zerbrechen, schräg gestellt und zu Gebirgen aufgefaltet werden. Die nebenstehende Abbildung (zum Vergrößern wie bei allen Bildern anklicken) zeigt die heutige Grenze zwischen der afrikanischen und der eurasiatischen Kontinentalplatte. Deutlich ist zu sehen, dass unser Exkursionsgebiet (und auch der südöstliche Teil Siziliens) plattentektonisch gesehen zu Afrika gehört.

Da die afrikanische Platte ungefaltet ist, lagern in Apulien die das Land aufbauenden Gesteins- pakete nach wie vor horizontal, also nahezu so, wie sie einst am Grunde des Tethys-Ozeans abgelagert wurden. Dies ist die Grundlage für das typische Flach- oder Tafelrelief Apuliens mit seinen weiten Ebenheiten. Dies gilt ganz besonders für die apulischen Landschaftsräume der Küstenebene und des Salento. Durch diese Ebenheit gibt es von der Siedlungsgeographie her keinerlei Einschränkungen für die Ausdehnung von Siedlungs- und Anbauflächen, weshalb das Land insgesamt intensiv landwirtschaftlich genutzt werden kann (heute vor allem Oliven, Tomaten, Wein) und dabei von einem dichten Netz an Städten und Siedlungen durchzogen sind. Wie Sie selbst bei den Fahrten durch das Land sehen werden, spielt vor allem der Olivenanbau eine wichtige Rolle. Ja, man hat manchmal den Eindruck als bestünde Apulien nur aus Olivenpflanzungen. Immerhin entfällt ein Drittel der gesamten Olivenproduktion Italiens auf Apulien. Es ist diesbezüglich mit Abstand führend unter allen Regionen Italiens.

Die nächsten beiden Abbildungen zeigen sehr schön die horizontale Schichtung der ungefalteten apulischen Kalktafel mit ihrem resultierenden Flachrelief. Es ist einmal der Küstenabschnitt bei Torre Sant´Andrea und einmal das Städtchen Polignano a Mare, wo man deutlich die ungefaltete, ungestörte Schichtung der Gesteinspakete der afrikanischen Platte sehen kann. Beide Orte werden Sie auf der Exkursion besuchen.

Tafelland heißt aber nicht, dass Apulien landschaftlich eintönig, überall nur flach und vom Oliven- oder Weinanbau dominiert wäre.

Schon in der nächsten Landschaftseinheit, der Murge ändert sich das Landschaftsbild. Als Murge bezeichnet man das mehr oder weniger hügelige und flachwellige Bruchstufenland, das von der Küstenebene ausgehend bis auf fast 700 m Höhe in der Alta Murgia – Hohe Murge ansteigt. Auch dort kann man bei Gesteinsaufschlüssen in der Landschaft sehen, dass die Schichtung der Kalke immer noch horizontal ist, so wie es sich für die afrikanische Platte gehört. Das ungefaltete Tafelland ist im Bereich der Murge aber bei der Auffaltung des Apennins mit in die Höhe gehoben worden und die Kalktafel dabei an verschiedenen Stellen gebrochen. So kommt es, dass die Murge wie eine Treppe aufgebaut ist, die über mehrere Bruchstufen Treppe für Treppe an Höhe gewinnt. Nebenstehende Abbildungen (Karte & Bild) verdeutlichen das Relief Apuliens und den Stufenaufbau der Murge. Die dicken Höhenlinien auf der Karte zeichnen die Bruchstufenverläufe nach. Hinter der jeweiligen Landstufe ist das Relief dann aber wieder als Ebenheit ausgeprägt bis die nächste Stufe kommt und das Spiel sich wiederholt.

Je höher das Bruchstufenland zu liegen kommt, umso mehr verwandelt sich das hinter der Stufe liegende Flachrelief mehr und mehr in eine hügelige Landoberfläche. Das rührt daher, weil mit zunehmender Höhe des Landes die Erosionskraft immer mehr zunimmt und so die Landoberfläche durch den dort stärkeren Wasserabfluß intensiver modelliert werden kann.

Die höchsten Bereiche der Murge sind deshalb auch von teils tiefen, canyonartigen Schluchten durchzogen, in denen sich die Fließgewässer sehr tief in die Kalkplateaus eingeschnitten haben. Am schönsten ist dies bei einem der größten Canyons Europas zu sehen, der Gravina di Laterza. Mit dem Wort „Gravina“ werden Schluchten oder Canyons in Apulien bezeichnet. Sie werden auf der Exkursion einige davon zu Gesicht bekommen. Die Gravina di Laterza besonders intensiv bei einer kleinen Wanderung und selbstverständlich auch in Matera. Eines der nebenstehenden Bilder zeigt die Dimensionen der Gravina di Laterza (ca 200m tief, 400 m breit und 12 km lang). Es ist gut zu sehen, wie sich das Fließgewässer in die gehobene, aber sonst immer noch ungefaltete und ebene apulische Kalkplattform eingeschnitten hat.

Wie erwähnt, ist Apulien aus Kalkgesteinen aufgebaut. Kalkstein gehört zu den verkarstungsfähigen Gesteinen, die unter bestimmten Voraussetzungen mehr oder weniger vom Wasser chemisch gelöst werden können. Wenn kohlensaures Wasser (es entsteht, wenn Regenwasser Kohlendioxid aus der Luft aufnimmt oder Sickerwasser im Wurzelbereich der Pflanzen mit Kohlendioxid angereichert wird) in die natürlichen Klüfte des Gesteins eindringt, werden diese durch Kalklösung erweitert und immer mehr in die Tiefe geführt. Am Ende entsteht eine, für Karstlandschaften typische, unterirdische Entwässerung mit den dazugehörenden Höhlensystemen. Ein Beispiel dafür, welches wir ausgiebig besichtigen werden, ist die berühmte Höhle Grotta di Castellana. Wer nur die Höhlen auf der Schwäbischen Alb kennt und noch nie in einer mediterranen Höhle war, wird überwältigt sein, denn die Dimensionen sind viel gewaltiger. Die Höhlen im Mittelmeergebiet konnten sich, mangels der bei uns in der Eiszeit stattfindenden Plombierung durch Eis, auch während der Eiszeiten ungestört über die Jahrmillionen entwickeln. Höhlenhallen, in denen ein Jumbojet bequem geparkt werden könnte, sind in der Grotta di Castellana deshalb nichts Ungewöhnliches. Jede Höhle ist dadurch gekennzeichnet, dass sie über das ganze Jahr über eine gleich bleibende Temperatur aufweist. Es ist dies immer die Jahresdurchschnittstemperatur der betreffenden Gegend. Auf der Schwäbischen Alb also ca. 8-9° C, in Apulien ca. 16-18° C. Ist ein Höhlenbesuch selbst im Sommer bei uns deshalb meist eine frostige Angelegenheit, ist dies in Apulien viel angenehmer. Trotzdem sollten Sie an einen Pullover oder eine Jacke denken, denn die Differenz zur Außentemperatur kann je nach Jahreszeit doch beträchtlich sein. Um in den besonders schönen, hinteren Bereich der Höhle zu gelangen schließen wir uns der langen, ausführlichen Führungsvariante an, die etwa 2 Stunden dauert und über 3km bis in 70 m Tiefe führt.

Ein weiteres Karstphänomen sind Dolinen, also kreisförmige oder ovale Vertiefungen in der Erdoberfläche, die wie ein Trichter das abfließende Wasser in den Untergrund ableiten und dabei selbst durch Kalklösungsvorgänge immer tiefer und größer werden (Lösungsdolinen). Eine andere Art von Dolinen sind die Einsturzdolinen, also große Krater an der Landoberfläche, die aber dadurch entstanden sind, dass die Decke eines großen Höhlenraums im Untergrund eingestürzt ist. Auch Kombinationen von beiden Dolinenarten sind möglich, so wie es wahrscheinlich bei der gigantischen Doline Pulo di Altamura (Durchmesser 500 m Tiefe 90 m) der Fall ist, die wir auf dem Weg vom Castel del Monte nach Matera besuchen möchten. In Apulien werden große Dolinen allgemein mit dem Wort Pulo bezeichnet.

Der Kalkstein Apuliens prägt aber nicht nur Landschaften sondern schafft durch seine regionale Verschiedenheit auch die Grundlagen für Siedlungsformen und deren Ausgestaltung. Der weiche, gut zu grabende Kalktuff bei Matera zum Beispiel bot schon während der Steinzeit ideale Möglichkeiten zur Anlage von Höhlensiedlungen, also zu Behausungen, die ohne den Einsatz von Baumaterial auskommen. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass Matera zu den ältesten Siedlungsplätzen Europas gehört und seit Jahrtausenden kontinuierlich besiedelt ist. Die heutigen Höhlensiedlungen und Höhlenkirchen Materas, die Sassi, waren der Grund, weswegen die Stadt 1993 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde. In den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts galt die Stadt dagegen noch als die Schande Italiens. Menschen, die in Höhlen ohne Strom und Wasseranschluß lebten, waren für das damalige politische Verständnis einer aufstrebenden Industrienation eine Unmöglichkeit. So wurden auf den Höhen Materas ab den 50er Jahren, ganz neue Wohnviertel aus dem Boden gestampft und die Bewohner der Sassi kurzerhand umgesiedelt. Heute werden mehr und mehr die alten Höhlenwohnungen aber wieder instand gesetzt, mit Wasseranschluß und Strom versehen und als moderne Wohnform schick und mit allem Komfort ausgebaut. Im Sommer kühl im Winter warm, alles ohne Klimatisierung und übermäßigen Energieverbrauch, das waren immer schon die Vorteile einer troglodytischen Behausung. Matera wurde für das Jahr 2019 zur europäischen Kulturhauptstadt gewählt. Matera liegt politisch zwar in der Region Basilicata, gehört natur- und kulturräumlich aber zur Alta Murgia Apuliens.

Ob Lecce in den Niederungen des Salento eine so berühmte Barockstadt geworden wäre, ohne seinen besonders gut zu bearbeitenden Kalkstein, den Pietra Leccese darf getrost bezweifelt werden. Auch die Wohnform der Trulli ist selbstverständlich an das Vorkommen eines geeigneten Baumaterials, für diese spezielle Trockenbauweise mit Kraggewölbe, gebunden. Wir sehen damit deutlich, wie die Natur die Grundlagen für die Lebensweise und Möglichkeiten der Menschen schafft und wie wichtig damit die Aspekte der Natur zum Verständnis eines Kulturraumes sind.

Neben vielen weiteren Vorteilen für die frühere Bevölkerung sind Höhlenwohnung und Trulli auch perfekte Wohnformen für die klimatischen Verhältnisse Apuliens. Beide Wohnformen gleichen die Temperaturextreme im Jahresverlauf aus. Materialkosten entfallen in beiden Fällen weitestgehend. Der Trullo ist zudem noch ein idealer Wasserfänger. Das über das kegelförmige Dach rasch ablaufende Regenwasser wird in einer Rinne an der Basis gesammelt und in eine Zisterne (meist unter dem Trulli selbst) abgeleitet. Wasser ist in Apulien aus zwei Gründen besonders kostbar. Einmal kann die mediterrane sommerliche Trockenzeit mehrere Monate andauern und zum anderen sind Karstgebiete wegen ihrer vorherrschend unterirdischen Entwässerung arm an Oberflächenwasser. Das Baumaterial, die Kalksteine hingegen wachsen geradezu aus den roten Böden Apuliens heraus und müssen nur aufgesammelt werden. Gerade wo intensiv Landwirtschaft betrieben wird sieht man aller Orten, die beim Pflügen aus den Äckern gerissenen Steine als Trockenmauern oder Trullo verbaut. Der Trullo kommt verstreut in ganz Apulien als bäuerliche Wohnform auf dem Lande vor. Im Gebiet um Alberobello aber kommt es zu einer eigenartigen, historisch bedingten Häufung, wo ganze Stadtteile aus jener archaischen Wohnform errichtet sind. Wegen dieser Einmaligkeit zählt der Ort deshalb auch zum UNESCO-Weltkulturerbe, das wir selbstverständlich besuchen werden.

Zu den wichtigen Elementen der Kulturlandschaft Apuliens zählen auch die so genannten Masserien, große Landgüter, die sich zerstreut zahlreich inmitten der landwirtschaftlichen Flächen erheben. Masserien sind die Zeugen, der bis ins späte 19. Jahrhundert hinein feudal organisierten Landwirtschaft Apuliens und ganz Süditaliens. Eine typische Masseria besteht aus einem mehr oder weniger prächtigen Herrenhaus und mehreren landwirtschaftlichen Nebengebäuden mit unterschiedlichen Funktionen, die um einen großen Hof herum angeordnet sind. Grosse Masserien verfügen nicht selten sogar über eine eigene Kappelle oder kleine Kirche sowie große Wohntrakte, um die vielen, während der Erntezeiten benötigten Landarbeiter unterzubringen. Der adelige Landbesitzer selbst lebte mit seiner Familie dagegen meist in der Stadt und überließ die Tagesgeschäfte auf der Masseria einem Verwalter. Einige der großen Masserien, die Ihre Funktion mit Landreformen und dem Aufkommen der modernen Landwirtschaft immer mehr verloren haben, wurden in neuerer Zeit restauriert und zu meist komfortablen Hotelanlagen umgebaut. Nach wie vor inmitten der Kulturlandschaft Apuliens angesiedelt, schaffen sie für uns Reisende einen Bezug zu vergangenen Zeiten und stellen eine für Apulien besonders authentische Unterkunft dar. Unsere Unterkunft bei Mesagne im Hinterland von Brindisi wo wir für 4 Nächte Station machen, ist ebenfalls eine solch ehemalige Masseria inmitten von Olivenplantagen und gleichzeitig ein idealer Ausgangspunkt für das Exkursionsprogramm dieser Tage. In Matera wohnen wir für zwei Nächte in einem kleinen Hotel inmitten der historischen Altstadt, wo wir das besondere Flair dieses Ortes genießen und alle Sehenswürdigkeiten fußläufig erreichen können. Drei weitere Nächte verbringen wir am Meer in der kleinen, pittoresken Stadt Monopoli, von wo aus wir jeweils zu den Programmpunkten der dortigen Umgebung aufbrechen.

(Änderungen vorbehalten)