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Mit Geographen unterwegs


Programm der Neapel-Studienreise

Tag 2: Phlegräische Felder (Campi flegrei) Teil I

Der Name leitet sich vom griechischen phlegraios ab, was brennend oder glühend bedeutet. Der Ursprung des Vulkanismus der Campi Flegrei ist älter als der des benachbarten Vesuvs und zeigt sich in seiner Ausprägung sowie Formensprache wesentlich vielfältiger. Das letzte große vulkanische Ereignis datiert auf das Jahr 1538 mit der Entstehung des 140m hohen Kegels des Monte Nuovo in nur wenigen Tagen. Über 50 Eruptionszentren ganz unterschiedlichen Alters schaffen eine faszinierende Vulkanlandschaft. Die Felder dehnen sich über ein Gebiet von mehr als 150 km² aus und beginnen am westlichen Stadtrand von Neapel. Sie setzen sich nach Südwesten fort und tauchen dann im Meer ab. Die Doppelinsel Procida-Vivara, die wir besuchen werden, ist ein aus dem Meer herausragender Beweis für die untermeerische Fortsetzung der Felder.

1. Etappe: von unserer Unterkunft aus geht es mit dem Privatbus nach Pozzuoli. Dort Besichtigung des flavischen Amphitheaters aus dem 1. Jahrhundert. Nach dem Kolosseum in Rom war es die größte Arena im Lande mit einem Fassungsvermögen für mehr als 40.000 Zuschauer. Das sehr gut erhaltene Amphitheater steht in der Oberstadt von Pozzuoli. Nirgendwo sonst gibt es eine so gut erhaltene "Unterwelt" in einem Amphitheater mit Gewölben, Tierkäfigen, Gefängniszellen zu besichtigen als dort. Danach Weiterfahrt auf der alten Via Domitiana mit kurzem Stopp am kreisrunden Kratersee des Lago di Averno und Durchquerung des Arco Felice nach Cumä.

2. Etappe: Auf einem Hügel am Meer nördlich des Lago Fusaro entstand bereits im 8. Jhdt. v. Chr. die erste griechische Stadtgründung auf italienischem Boden: Kyme (lat. Cumae). Berühmt ist die Stadt nicht nur weil von hier aus später die Gründung Neapels erfolgte, sondern in erster Linie wegen des Orakels der Sybille und der Geschichte um die Sybillinischen Bücher. Die antike Stadtanlage besticht durch das Neben- und Übereinander griechischer und römischer Elemente Man sucht zwar vergebens die prächtigen säulengeschmückten Tempel Paestums, aber Cumä bietet anderes: Allem voran die mystische Orakelhöhle der Sibylle und weitere in den weichen Tuffstein gegrabene Tunnel und Durchbrüche sowie eine Reihe beeindruckender Ruinen aus der Römerzeit. Unvergleichlich aber ist die Lage von Cumä mit Blick weit über das Meer in einer fast biblisch anmutenden Szenerie der Ruinen zwischen alten Steineichen und Olivenbäumen. Da Cumä touristisch nicht sehr stark frequentiert wird, sind die Eindrücke umso intensiver.
Anmerkung: neueste Forschungen lassen vermuten, daß es sich bei der nebenstehend abgebildeten Orakelhöhle der Sybille vielmehr um einen Teil des ehemaligen Verteidigungssystems der Stadt handelt. Die vermutlich echte, viel weniger spektakuläre Höhle befindet sich demnach an einer anderen Stelle der Stadt in Tempelnähe.

3. Etappe: Nach einer Mittagsrast geht es weiter Richtung Süden auf den Höhenzug der den Ort Bacoli vom Lago di Miseno trennt. Nachdem wir von einer in der Nähe wohnenden Wärterin den Schlüssel in Empfang genommen haben, steigen wir in die größte jemals gebaute römische Zisterne hinab: 70 m lang, 25,5 m breit, 15 m hoch. Die gewaltige Zisterne bildete das Ende des Aquädukts von Serino, das über eine Strecke von mehr als 100km Wasser aus einer Karstquelle am Fuße des Apennin heranführte. Die heute Piscina Mirabilis genannte Zisterne diente zur Wasserversorgung der römischen Flotte, deren Admiralität in Misenum (heute Miseno) ihren Sitz hatte. Das Deckengewölbe stützt sich auf 48 mächtige Säulen, die in vier Reihen angeordnet sind und zusammen fünf Schiffe bilden. Ein großartiges unterirdisches Raumerlebnis. Entlang des schönen Golfs von Baia geht es anschließend zurück nach Pozzuoli.

4. Etappe: In Pozzuoli stoppen wir dieses Mal am Serapeum, der antiken Markthalle Puteolis, an deren von Bohrmuscheln durchlöcherten Säulen man perfekt das Phänomen der Bradiseismik studieren kann. Aufgrund vulkanischer Prozesse im Untergrund hebt und senkt sich die Küstenlinie dort seit antiker Zeit. Die Bohrmuschellöcher an den Säulen stammen aus einer Zeit als die Ruinen mehrere Meter tief im Meer standen. Die letzte große Hebung erfolgte 1982 bis 1984. Es kam in diesem Bereich  dabei zu einer Hebung um ca. zwei Meter. Noch heute sind große Teile der Altstadt wegen Gebäudeschäden mit Einsturzgefahr gesperrt. Eine kurze Fahrt bringt uns als letzten Programmpunkt des Tages zum nahen Krater der Solfatara, dessen letzte vulkanische Aktivität in historische Zeit fällt und deshalb noch mit vielfältigen postvulkanischen Erscheinungen aufwarten kann: brodelnde Schlammlöcher, Fumarolen, Mofetten... ein besonderes Erlebnis

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(Änderungen vorbehalten)

Neapel
Satellitenbild Phlegräische Felder und Umgebung
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Amphitheater von Pozzuoli aus der Luft
Amphitheater von Pozzuoli aus der Luft

 

 

die mystische Hˆhle der Sibylle in Cum‰
Die mystische Höhle der Sibylle in Cumä

 

 

Piscina Mirabilis
Piscina Mirabilis

 

 

Serapeum in Pozzuoli, Studierobjekt der Bradiseismik
Serapeum in Pozzuoli, Studierobjekt der Bradiseismik

 

 

Fumarolen in der Solfatara
Fumarolen in der Solfatara

 

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